Queerness braucht Platz- auch in der Schule.
Queere Menschen sind Teil jeder Schule: als Schüler:innen, als Lehrpersonen und als Eltern. Trotzdem bleiben ihre Lebensrealitäten im Schulalltag oft unsichtbar. Queere Themen werden zu selten aufgegriffen, unterschiedliche Familienformen nicht selbstverständlich mitgedacht und Geschlecht und Liebe häufig in engen Kategorien vermittelt. Es gibt noch viel Raum für Veränderung: in Unterrichtsmaterialien, im täglichen Miteinander und in den Strukturen unseres Bildungssystems.
Diese Unsichtbarkeit hat Folgen. Wer sich in Büchern, Gesprächen und Vorbildern nicht wiederfindet, kann das Gefühl bekommen, nicht dazuzugehören. Queere Schüler:innen brauchen Raum, um sich ohne Angst vor Abwertung zu entwickeln. Queere Lehrpersonen müssen offen leben und arbeiten können, ohne ihre Identität verstecken oder ständig rechtfertigen zu müssen. Dafür braucht es Sichtbarkeit, Unterstützung und einen klaren Schutz vor Diskriminierung.
Hier setzt queerer Aktivismus an: Er macht Leerstellen sichtbar und fordert konkrete Veränderungen ein. Das kann bedeuten, Schulbücher auf stereotype Darstellungen zu prüfen und vielfältige Materialien bereitzustellen. Es kann heißen, mit Plakaten, Büchertischen, Workshops oder Projekttagen queere Lebensrealitäten ins Schulhaus zu bringen. Ebenso wichtig sind Fortbildungen für Lehrpersonen, verlässliche Ansprechpersonen und klare Handlungsmöglichkeiten bei queerfeindlichen Aussagen, Mobbing oder Übergriffen.
Aktivismus bedeutet auch, queeren Schüler:innen und Lehrpersonen zuzuhören und Räume für Austausch und Vernetzung zu schaffen. Gemeinsam können wir Forderungen an Schulleitungen und Bildungspolitik formulieren und mit Aktionen und Kampagnen Druck für Verbesserungen aufbauen. Einzelne Aktionstage können dafür ein Anfang sein, das Ziel muss jedoch eine dauerhafte Veränderung im Schulalltag sein.
Bei Schule brennt gibt es eine eigene Arbeitsgruppe, die sich diesen Themen widmet. Sie bietet einen Rahmen, um queere Perspektiven einzubringen, Ideen zu entwickeln und gemeinsam aktiv zu werden. Diese Arbeit braucht Raum und Unterstützung innerhalb unserer Bewegung. Wer für eine gerechte Schule kämpft, muss die Lebens- und Arbeitsbedingungen queerer Menschen als festen Bestandteil dieses Kampfes verstehen.
Auch die Gesellschaft trägt Verantwortung. Dass queere Menschen sichtbar und sicher leben können, darf nicht allein von ihrem eigenen Einsatz abhängen. Es braucht Solidarität, Ressourcen und die Bereitschaft, diskriminierende Strukturen zu verändern.
Kleine Schritte für einen sichereren Schulalltag
Auch wenn du selbst nicht queer bist, kannst du Sichtbarkeit schaffen und Unterstützung zeigen:
- Pronomen anbieten: Stell dich mit deinen Pronomen vor und lade andere ein, das freiwillig ebenfalls zu tun, ohne Druck oder die Erwartung, sich zu erklären.
- Vielfalt selbstverständlich zeigen: Achte darauf, dass in deinen Unterrichtsmaterialien unterschiedliche Familienformen, Beziehungen und Geschlechtsidentitäten vorkommen.
- Abwertung widersprechen: Thematisiere es, wenn "schwul" als Schimpfwort verwendet wird, und greif bei queerfeindlichen Aussagen ein.
- Inklusiv sprechen: Verwende gendergerechte oder geschlechtsneutrale Sprache und respektiere die Namen und Pronomen, die Menschen für sich verwenden.
- Vertrauen schützen: Hör zu, nimm Anliegen ernst und gib Informationen über die Identität einer Person nicht ohne deren Zustimmung weiter.
Wir wollen eine Schule, in der queere Menschen selbstverständlich dazugehören. Dafür müssen wir sichtbar werden, uns organisieren und gemeinsam handeln.
Weitere Vernetzungsmöglichkeiten und Austausch, insbesondere auch für queere Lehrpersonen findet ihr bei Ausgeprochen. Zahlreiche weitere Infos, Links und Materialien findet ihr auf diesem Padlet (Link).

